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Werbepausen

… sind eigentlich überholt, seit wir alles sehen können, wann, wie und wo wir wollen. Trotzdem wage ich die Hypothese, dass es Menschen gibt (Menschen wie mich!), die sich klammheimlich nach dem Diktat der Werbepausen sehnen: nach der kurzen Ruhe vor dem nächsten Sturm, der willkommenen Gelegenheit, endlich aufs Klo zu gehen oder eine eMail zu schreiben; nach dem erleichterten Aufatmen, wenn man eigentlich wissen will, wie es weitergeht, aber trotzdem das Gefühl hat, sich noch kurz um die Wäsche kümmern zu müssen. Nach dem guten Gefühl, zwischendurch ganz unverhofft wahnsinnig viel geregelt zu kriegen.

Wem das jetzt völlig fremd ist, der hat ja Netflix. Oder ARD und ZDF, da gibt’s ja grundsätzlich keine Werbepausen. Meine Eltern hat das damals auch nicht gestört.

Wir

… sind überall. „Wir“ wollen das Beste für unsere Lieben, deshalb versichern wir sie. „Wir“ lieben die neuen Herbst-Looks und holen uns sofort die passenden Must-Haves. „Wir“ teilen unsere Begeisterung über die Welt mit zahlreichen Freunden, und das nur mit dem besten Netz. Dazu gibt es hochemotionale Musik. „Wir“ fühlen uns wie in einer warmen Badewanne, wenn sich die Haut langsam aufzulösen beginnt. Grenzenlos. Wer braucht schon ein Ich.

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